
Hat jemand mal 9 Songs vom britischen Regisseur Michael Winterbottom gesehen? Ich konnte gestern irgendwie nicht einschlafen und hab nach dem langweiligen Born 2 Die einfach mal durch die Programme gezappt und bin bei 3sat und eben diesem Film hängen geblieben.
Im Film befindet sich der Londoner Kälteforscher Matt (Kieran O’Brien) in der Antartkis und erinnert sich an die vergangenen Monate mit Lisa (Margo Stilley), einer amerikanisches Austauschstudentin, die ein Jahr in England verbracht hat. Lisa und Matt lernen sich auf einem Rockkonzert kennen, besuchen acht weitere Konzerte und haben viel Sex. Der Film folgt dem Muster Konzertbesuch – Sex – Konzertbesuch – Sex.
Ein richtiges Drehbuch gab es nicht, die Dialoge wurden von den beiden Schauspielern größtenteils improvisiert. Vielleicht wirkt der Film auch dadurch so authentisch. Eigentlich wollte Winterbottom den Roman “Plattform” von Michel Houellebecq (u.a. auch Elementarteilchen) verfilmen, weil ihn die facettenreich geschilderten Sexszenen reizten. Er entwarf dann aber seine eigene Geschichte, die in »9 Songs« erzählt wird.
Ich weiß gar nicht, warum ich beim Zappen hängen geblieben bin. Vermutlich wegen den tollen Farben und der Hauptdarstellerin. Was ich dann aber gesehen hab, war mehr als ein stupider Softporno. Eben mehr, weil man Details zu sehen bekommt, die eigentlich im deutschen Fernsehen verboten sind. Und eben auch mehr, weil es 100%ig authentisch ist, nicht gespielt und doch von zwei Schauspielern inszeniert. Ich hab keine Ahnung, was ich von dem 69 Minuten langen Steifen Streifen halten soll.
Die Kritiken im Internet gehen auch sehr weit auseinander. Manche können die FSK 16 Freigabe gar nicht verstehen, andere argumentieren, dass der Film nicht anregt, sondern nur ganz realistisch das Urbedürfnis des Menschen zeigt. Viele sagen, dass der Film null Inhalt hat, die Figuren keine Persönlichkeit, man rein gar nichts erfährt. Dagegen wird geschrieben, dass er vom wahren Leben handelt. Es wird hinterfragt, ob die Menschheit keinen Spaß mehr hat, an Dingen die Spaß machen sollen. Ob sexlastige Filme nur aktzeptiert werden, wenn Körperkontakt automatisch Probleme, Leid und Verzweiflung mit sich bringt.
Zwischen »abgrundtief schlecht« bis zu »ein provokatives und sinnliches Meisterwerk« wird kritisiert und gelobt. Ich selbst musste irgendwie an Marcel denken, dass ihm der Film wohl gefallen würde. Fand aber gleichzeitig, dass der Film mit mehr Dialogen, Beziehungsstress und viel mehr Alltag etwas hätte werden können. Was bleibt ist gute Musik und teilweise explizite Darstellungen.
Was mich irgendwie gereizt hat, den Film immer weiter anzuschauen, war die Frage »Ist es jetzt echt, oder nicht?«. Und ja, es ist alles echt, harhar. Es gibt zwei Szenen, die das eindeutig beweisen. Und ich frage mich immer noch, wie man so etwas im TV ausstrahlen kann. Gerade das ist es wohl auch, was Winterbottom bezweckt hat. Nämlich die Grenzen des Zeigbaren zu brechen. Sich durch die Richtlinien zu schlängeln und so einen Film für jeden zugänglich zu machen. Damit hat der Regisseur schon angefangen, als er Margo Stilley überredet hat, sich so freizügig filmen zu lassen. Es war ihr erster Film und er versprach ihr, sie danach groß rauszubringen und sie in weiteren Hauptrollen in seinen nächsten Filmen zu besetzen. 4 Jahre und 5 Filme später ist das aber noch immer nicht passiert, hihi. Sie hat sogar gleich nach der Veröffentlichung versucht ihren Namen aus dem Film zurückzuziehen, als sie von der Presse stark kritisiert wurde. Das ist es wohl, was den Film am Ende interessant macht.




Und ich dachte, ich sei der einzige Mensch dieser Welt, der sich so ein Scheiß anguckt… erst nur wegen der Frage, ob das nu echt ist … als es irgendwie klar war, wegen der Frage, warum ausgerechnet 3sat so was zeigt … was geht bitte mit den öffentlich rechtlichen?
Wahrscheinlich wollen die so an die GEZ Nichtzahler kommen und lachen sich nun ein ins Fäustchen …
Haha, gott sei dank kommentiert hier jemand. Dachte schon, ich wäre wirklich der einzige gewesen, der sich den Film angesehen hat. Ich finds ziemlich hart den zu zeigen, und auch wenn er nicht anregt und erst nach Mitternacht augestrahlt wurde.
auch gesehen! bin hängen geblieben als sich die werte dame mit dem vibrator befriedigt hat!
Sonst hat den keiner mehr gesehen?
klingt interesant und bietet scheinbar viel Diskussions Stoff. Muss ich mir also unbedingt anschauen.
Ich habe den auch schonmal gesehen (leider nicht ganz) und fand den sehr… anreizend. Ein guter Softporno (wirklich nett gemacht) und eigentlich mit abwechslungreiche Szenen, die bisschen mehr zeigen…
Wer auf “Indie-Pornos” steht, sollte unbedingt auch Shortbus gesehen haben!
Großartiger Film. Viel freizügige, nackte Haut. Tolles Schauspiel. Unbeschreiblich positiv und anders!
@Mone:
@patrick: Cool, danke. Werde ich mal auschecken.